Google schließt demnächst sein eigenes soziales Netzwerk, (Google Plus). Obwohl Google+ selbst eigentlich relativ unbedeutend war und von den Usern nie wirklich angenommen wurde , so wird das Ende vom Google+ doch gröbere Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung von Webseiten haben.
Welche das sind und wie man sich darauf vorbereiten kann beschreiben wir im Artikel.

Sie kennen Google+ nicht oder haben es nie wirklich genutzt? Dann gehören sie zur Mehrzahl der Internetuser. Denn seit seinem Start im Jahr 2011 wurde das Netzwerk zwar intensiv von Google gepusht und beworben, konnte sich aber nie wirklich am Markt durchsetzen.
Die von Google selbst immer wieder angeführten sehr hohen Nutzerzahlen ( bis zu 3.000 Mio User und bis zu 360 Mio. monatliche Nutzer) beruhen darauf, dass für jedes Google-Konto auch automatisch ein Google+ Account erstellt wurde. Und ein Google Konto-besitzen sehr viele Internetuser, z.b. um Gmail nutzen zu können. Der Großteil dieser Anwender benutzt zwar dann diese Google Dienste, ist aber auf Google+ nicht aktiv.
Selbst bedeutende Internet-Marketing-Experten haben daher Google+ mittlerweile den Rücken gekehrt, lediglich für einige spezielle Nischenthemen kann es evtl. noch Sinn machen, auch auf Google+ Beiträge zu posten.

Wie wird sich das Ende vom Google+ auf das Online-Marketing auswirken?

Aufgrund seiner relativen Unbedeutsamkeit könnte man meinen, dass das Ende von Google+ keine gröberen Auswirkungen auf das Online-Marketing haben wird. Aber genau das Gegenteil wird der Fall sein. Das Stichwort lautet: Social Signals.

Social Signals als Indikator für guten Content

Neben den Inhalten und der technischen Optimierung einer Website sind es vor allem auch die Links, mit denen Google bewertet, ob eine Webseite gut oder schlecht ist (Siehe dazu: die 3 Säulen erfolgreicher Suchmaschinenoptimierung). Abhängig von der Anzahl und der Qualität der auf eine Website verweisenden Links entscheidet Google, ob die Homepage weiter vorne oder weiter hinten in den Suchergebnissen angezeigt wird.

Der zugrundeliegende Gedanke dabei: gute und informative Inhalte werden häufiger verlinkt als schlechte Inhalte. Diese Form der Bewertung einer Website hat sich jahrelang bewährt und wurde von Google immer weiter optimiert.
Der Haken dabei ist aber, dass doch immer nur die Meinung eines eher kleineren Anteils der Internetuser genutzt werden konnte. Auch wenn die meisten Unternehmen heutzutage eine eigene Webseite besitzen, betreiben doch nur sehr wenige Privatpersonen eine Homepage oder sind in Internetforen (wo häufig auch gute Inhalte verlinkt werden) aktiv. Detail am Rande: die Nutzung von Internetforen hat seit dem Aufkommen von sozialen Netzwerken wie Facebook massiv abgenommen.

Wo werden aber die meisten Inhalte geteilt, geliked und kommentiert? Eben, in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Es ist daher nur logisch, dass eine gute Suchmaschine versuchen wird, genau diese Art der Verlinkung und Erwähnung von Inhalten auszuwerten. Man spricht dabei von sogenannten Social Signals. Je mehr Social Signals eine Website erzielt, umso informativer und hochwertiger muss sie sein, und umso höher wird sie von Google in den Suchergebnissen bewertet werden.

 

Was sind alles Social Signals?

Social Signals umfassen grundsätzlich alle Aktivitäten, die sich rund um Inhalte in sozialen Netzwerken abspielen. Das beginnt beim bloßen Teilen einer Webseite oder eines Blog-Artikels und geht weiter über die Likes oder Kommentare, die dieser Beitrag dann erhält. Ebenso kann erfasst werden, wie häufig einzelne Teile dieses Inhaltes (zum Beispiel Bilder eines Blogartikels oder eingebundene Videos) in anderen Netzwerken (Pinterest, Youtube, Twitter…) geteilt und kommentiert werden. Kurzum: guter Content wird häufiger geteilt werden und mehr Reaktionen hervorrufen als schlechter Content. Und das von allen Internetusern (genauer gesagt: denen, die soziale Netzwerke nutzen – was aber ein Großteil bereits macht), nicht nur von Betreibern eigener Homepages.

Social Signales von Netzwerken wie Facebook werden an Bedeutung gewinnen

Bislang hat Google überwiegend die Social Signals im eigenen sozialen Netzwerk – eben Google+ dazu ausgewertet. So wurden beispielsweise passende Beiträge auf Google+ bei Suchergebnissen auf vorderen Positionen angezeigt, öffentliche Beiträge, die zum Thema passen von Facebook oder Twitter dagegen eher selten.

Es ist abzusehen, dass Google mit dem Schließen von Google+ nun aber verstärkt die Social Signals der anderen sozialen Netzwerke auswerten muss – ganz einfach deswegen, weil sie eben am besten die Meinung der Benutzer über gute oder schlechte Inhalte wiederspiegeln. Neben den klassischen Maßnahmen einer Suchmaschinenoptimierung wie Optimierung der Inhalte oder Linkbuilding sollte spätestens ab jetzt auch darauf geachtet werden, so hochwertige Inhalte zu erstellen dass diese viele Social Signals auslösen.

Was kann man tun um Social Signals zu erzielen?

  • Hochwertigen Content erstellen
    Überlegen Sie genau was Ihre Seitenbesucher interessiert, welche Probleme sie haben und wie Sie ihnen helfen können. Reine Produktbeschreibungen oder Werbeangebote werden in sozialen Netzwerken nicht geteilt werden, informative Beiträge oder Problemlösungen aber schon. Achten Sie auch auf die Qualität der Beiträge selbst: gute Texte, Bilder, Videos.
  • Erstellen Sie eine große Menge von gutem Content
    Es kommt auch auf die Menge an. Je mehr an gutem Content Sie onlinestellen können, umso besser. Das Betreiben eines Unternehmensblogs wird immer bedeutender für die Suchmaschinenoptimierung werden.
  • Posten Sie gute Inhalte in den wichtigsten sozialen Netzwerken
    Stellen Sie Ihre guten Inhalte selbst auf den diversen Plattformen online. Eine Unternehmensseite auf Facebook sollte heutzutage bereits Standard sein, es wird sich aber auch wieder mehr lohnen Accounts auf Twitter zu betreiben – und Pinterest gewinnt ja überhaupt immer mehr an Bedeutung. Posten Sie Ihre Blogartikel auf diesen Plattformen um die Weiterverbreitung in den sozialen Netzwerken ins Rollen zu bringen.
  • Erstellen Sie Content der gerne geteilt wird
    Ein ganz wichtiger Punkt! Nur sehr hochwertiger, informativer und/oder unterhaltsamer Content wird von Usern in sozialen Netzwerken geteilt und geliked. Auch muss auf die Eigenheiten jedes sozialen Netzwerkes eingegangen werden. Blogartikel können Sie in mehrere “Häppchen” zerlegen und als einzelne Beiträge auf Facebook posten, wobei aus jedem Beitrag dann auch zum eigentlichen Blogartikel auf der Homepage verlinkt wird. Genauso ist es auch auf Twitter oder Pinterest möglich, grundsätzlich natürlich auch auf Instagram.
  • Passen Sie die Beiträge an die jeweilige Plattform an
    Wenn Sie wie im vorigen Punkt empfohlen Beiträge in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram usw. erstellen, dann müssen Sie die Art des Beitrages an die jeweilige Plattform anpassen. Auf Facebook können die Texte ruhig etwas länger sein, die ersten Sätze bzw. der 1. Absatz sollten sofort informieren, worum es im Beitrag geht und Lust auf mehr machen. Der Grund dafür: Facebook versteckt den Rest des Beitrages, der User muss auf “Mehr Lesen” klicken um den gesamten Beitrag zu sehen.
    Das gleiche gilt auch für Instagram, hier gilt es allerdings zu beachten dass keine Links in dem Beitrag eingebaut werden können. Das kann man so umgehen indem man den Link in das Profil setzt und im Beitrag auf diesen Link im Profil verweist.
    Ebenso müssen die Beiträge natürlich auch für alle anderen sozialen Netzwerke (Pinterest, Twitter, Snapchat usw.) dementsprechend angepasst werden.
  • Posten Sie zu den richtigen Zeiten
    Interaktion hängt auch sehr von der richtigen Uhrzeit und dem passenden Wochentag ab. Je nach Zielgruppe, Branche und Unternehmen kann das stark variieren – auf jeden Fall sollten Sie herausfinden, zu welchen Zeiten Ihre Follower am aktivsten sind – und dann Beiträge onlinestellen. Das kann sich von Plattform zu Plattform unterscheiden, die aktivsten Zeiten auf Facebook können also ganz andere als auf Instagram sein.
  • Bewerben Sie aktiv Ihre Beiträge in Facebook & Co
    Wenn Sie Ihre Blogartikel als Beiträge auf Facebook & Co onlinegestellt haben, dann sollten Sie diese dort auch aktiv bewerben. Nutzen Sie z.b. Facebook Ads um die Beiträge gezielt neuen Usern (die Ihr Unternehmen noch nicht kennen) zu zeigen. Wenn die Beiträge top sind werden diese User die Beiträge weiter verbreiten und mit ihnen interagieren => mehr Social Signals. Positiver Nebeneffekt: auch die Anzahl der Follower z.B. Ihrer Facebook-Unternehmensseite wird sich erhöhen.
  • Interagieren Sie mit Usern in sozialen Netzwerken
    Antworten Sie auf Kommentare zu Ihren Beiträgen, seien Sie aktiv in Facebook-Gruppen oder kommentieren Sie interessante Videos anderer User auf Youtube.
  • Fordern Sie Ihre Besucher auf aktiv zu werden
    Mehr Interaktion kann man dadurch erreichen indem man die Besucher akiv auffordert, zu kommentieren, zu liken oder einen Beitrag zu teilen. Das kann auf der Website selbst durch die üblichen Social-Share-Buttons erfolgen (aber Achtung: diese müssen natürlich DSGVO-konform eingebaut werden!) oder durch direkte Aufforderung am Ende des Artikels, aber auch bei Beiträgen auf Facebook oder Twitter. Besonders bewährt hat es sich bei Videos auf Youtube am Ende des Videos um ein Like zu bitten, hier kann man auch um ein Abo des Kanals bitten.
    Generell gilt: man kann freundlich zu Interaktion auffordern, soll es aber nicht übertreiben. Es darf also zu keinen Betteln um Likes, Kommentare etc. ausarten.
  • Verschicken Sie Ihre Beiträge als Newsletter
    Sie betreiben einen Unternehmensnewsletter? Dann sollten Sie Ihre Top-Blogartikel auch damit versenden. Ideal ist hier interessante Artikel kurz mit 1 oder 2 Absätzen anzuteasern und dann auf den eigentlichen Artikel auf der Website zu verlinken.
  • Verkürzen Sie die Ladezeiten Ihrer Website
    Egal ob die Besucher über Google oder von Facebook kommen, immer wieder sieht man gute Webseiten mit sehr langen Ladezeiten. User wollen aber heute nicht mehr warten, mit jeder Sekunde mehr Ladezeit erhöht sich die Absprungrate. Eine Optimierung der Ladezeiten sorgt also für mehr Besucher, dementsprechend häufiger werden die Inhalte dann auch in sozialen Netzwerken geteilt.

In welchen sozialen Netzwerken soll man aktiv sein?

Grundsätzlich empfehlen wir Facebook und Instagram, das sind die beiden bedeutendsten sozialen Netzwerke. Eine eigene Facebookseite sollte für jedes Unternehmen heutzutage Standard sein, Instagram macht in vielen Branchen auch wirklich Sinn und es lassen sich viele neue Kunden damit gewinnen. Zudem kommen Facebook Werbeanzeigen die es ermöglichen, Benutzer zielgruppengenau auf beiden Plattformen anzusprechen.

Für Videos ist die Youtube die ganz klare Nummer 1, obwohl Facebook diesbezüglich stark aufholt. Unser Tipp: Videos sollten grundsätzlich auf beiden Plattformen onlinegestellt werden. Von Youtube aus können diese dann auch einfach auf Ihre Website (oder anderen Webseiten) eingebunden werden. Für ein Onlinestellen auf Facebook spricht die sehr hohe Reichweite von Videos auf Facebook selbst wenn diese direkt bei Facebook gehostet werden. Ein Verlinken von Youtube-Videos in Facebookbeiträgen ist dagegen nicht zu empfehlen (wesentlich geringere Reichweite).

Twitter spielt für die meisten Unternehmen und Branchen im deutschsprachigen Raum eigentlich keine Rolle, ein Account auf Twitter ist daher nicht unbedingt nötig. Anders sieht es aus wenn Ihr Unternehmen international stark aktiv ist. Vor allem im englischsprachigern Raum wird Twitter wesentlich häufiger und intensiver von Usern genutzt, daher macht es hier auch Sinn dort einen Account aktiv zu betreiben.

Ein weiteres soziales Netzwerk das im Schatten der genannten Big Player kontinuierlich wächst ist Pinterest. Pinterest eignet sich ideal um Beiträge zu teilen und damit Benutzer darauf aufmerksam zu machen. Dabei sollte man aber nicht nur eigene Beiträge posten, sondern unbedingt den eigenen Account umfassend aufbauen. Das heißt: verschiedene Boards anlegen, nach interessanten Inhalten anderer User suchen und diese in den eigenen Boards onlinestellen, mit anderen Usern interagieren, anderen Usern folgen usw. So lässt sich auf hier eine Followerschaft aufbauen die Ihre Beiträge dann selbst wieder teilt.

Für Unternehmen natürlich ebenso interessant sind berufliche Netzwerke wie Linkedin oder XING. Diese eignen sich besonders gut um Kunden im B2B-Bereich zu erreichen, natürlich kann man auch hier seine Blogartikel teilen. Guter Content wird auch auf diesen Plattformen weitergeteilt, und man darf nicht vergessen: User diese Netzwerke besitzen natürlich meistens auch Accounts auf anderen sozialen Netzwerken. Wenn sie also z.B. einen Blogartikel über Linkedin finden und er gefällt ihnen, dann werden Sie diesen eventuell auf z.B. auf Facebook teilen.

Auf weitere soziale Netzwerke wie Snapchat, Flickr usw. wollen wir hier im Detail nicht eingehen. Hier kommt es immer auf die jeweilige Branche und die Zielgruppe an um zu entscheiden ob es sinnvoll ist einen Account zu betreiben.

Fazit

Social Signals (Nutzersignale) haben derzeit noch keinen besonderen Impact auf die Suchergebnisse, das wird sich aber spätestens mit dem Ende von Google+ aber ändern. Wer langfristig im Internet erfolgreich sein will und in Suchmaschinen gut gefunden werden möchte sollte Social Signals nicht außer Acht lassen. Mit verschiedenen Maßnahmen und Tricks lassen sich Social Signals fördern und erhöhen – diese sollte man umsetzen, da Suchmaschinenoptimierung und Social Media Marketing immer mehr verschmelzen (werden).